Architektur

 
 

Der Wunsch, in Rottenburg ein Katholisches Freies Gymnasium zu bauen führte zu einem beschränkten Architektenwettbewerb. Schon in der Auslobung formulierte der Träger, die Stiftung ‘Freie Katholische Schule‘, gezielt pädagogische Profile, ausgedrückt im ‘Marchtaler Plan‘.
Unser Büro konnte so bereits in der Entwurfsphase auf dieses Konzept eingehen, die von uns vorgelegte Arbeit wurde mit dem 1. Preis ausgezeichnet.

 
   
 
Das Sankt-Meinrad-Gymnasium von der Seebronner Straße aus.
 
 
Der Entwurf sah eine gegliederte Anlage vor, mit starken Bezügen zur Umgebung sowie zur Topographie. Sichtbezüge zur Theoderich-Kapelle einerseits sowie zur Wurmlinger Kapelle waren uns wichtig. Ebenso die Orientierung der Anlage zum zentralen Grünbereich, einer für die Region typischen Grünfläche mit Streuobstbäumen.
Die bauliche Anlage gliedert sich in einzelne Bereiche: Im Westen zur Seebronner Straße hin das Langhaus und im Osten mit Orientierung zur ‘Grünen Mitte‘ vier Klassenpavillons. Zwischen diesen Hauptelementen liegt eine gläserne Fuge, die zentrale Halle. Das Langhaus als Rückgrat der Komposition stellt sich zur Straße architektonisch entschieden und klar dar, 3-geschossig mit Lochfassade und feinen Sonnenschutzlamellen. Hier sind Fachklassen, Verwaltung, Lehrerzimmer, Computer- und Werkräume untergebracht. Entsprechend der Topographie staffelt sich das Gebäude in der Höhenentwicklung; die architektonisch fein ausgebildeten Klassenpavillons sind 2-geschossig. Die Fassaden dieser Pavillons öffnen sich zur Grünen Mitte, sie sind als differenzierte Holz-Glasfassaden konzipiert. Der vorgelagerte textile Sonnenschutz bringt Tiefe in die Fassade und verzahnt die Gebäude mit der Landschaft.
Durch diese baukörperliche Differenzierung findet der Übergang von stadträumlicher Begrenzung zur Landschaft,von einer klaren Architektursprache zu einer kindgerechten Maßstäblichkeit seinen Ausdruck.
 
 

 
 
zentrale Halle
 
  Viel Licht von oben und das gleiche Mauerwerk wie außen verleihen der Halle den Charakter einer inneren Straße: hell und klar mit Galerien und Durchblicken. Die Schwelle zwischen Halle und Klassenvorbereichen wird durch eine gekrümmte Dachkante, die sich durch Sitzstufen auch im Fußbodenbereich zeigt, artikuliert.  
 
 
  Der Übergang wird spürbar und verleiht der Anlage durch die geschwungene Linie Dynamik. Hier lagern sich die inneren Zonen vor den Klassenräume an. Das Licht wird milder, farbige Flächen tauchen auf, der Bodenbelag verändert sich von Werkstein zu Parkett. Diese Vorzonen bilden großzügige Flächen für die im Marchtaler Plan formulierte ‘Freie Stillarbeit‘. Auch das Farb- und Materialkonzept geht auf die unterschiedlichen Unterrichtsbereiche der Schule ein: Im Langhaus herrschen die Wirkungen der Materialien Stein und Holz vor, die Fachklassenwände sind changierend blau lasiert.  
 
 
 
Innenfassade Klassenzimmer
 
 
Die Pavillons mit den Klassenzimmern strahlen durch Differenziertheit und Helligkeit eine offene und heiter-gelassene Stimmung aus. Hölzerne Oberflächen, weisse Tuch-Markisen und dunkelblaue Böden verleihen den Klassenräumen eine beschwingte und dennoch ernsthafte Atmosphäre. Für die Gestaltung der Wände zu den Freiarbeitsbereichen wurde ein spezielles Farbkonzept entwickelt, das als metaphorische Umsetzung eines Regenbogens erscheint. Holzböden und lasierte Sichtbetondecken bilden die charakteristischen Oberflächen für diese Zone der ‘Freien Stillarbeit‘.
 
  Die Gliederung der Aussenanlagen korrespondiert mit den angrenzenden Gebäudeteilen: Der urbane Vorplatz im Norden, der angelegte Schulgarten mit Werkhof im Westen, sowie die Streuobstwiese als ‘Grüne Mitte‘ im Osten. Die Freiflächen wurden so geplant, daß die Schule die Chance hat, diese zu ‘erobern‘. Piazza, Atrien, Workshops oder Freiklassen sollen hier ihren Platz finden.  
 
 
 
Eingangsbereich Nord
 
 
Die inhaltliche Differenziertheit der Schule findet in der Architektur, in Materialien, durch Lichtwirkungen und in der Freiflächenge-staltung ihren Ausdruck. Entsprechend dem pädagogischen Grundatz vom Lernen mit Kopf, Herz und Hand konnte ein Gebäude entwickelt werden, das sachlich und sinnlich wirkt, das technische und poetische Schwerpunkte hat. Das effektive Ineinandergreifen der verschiedenen Kräfte sollte beim St. Meinrad-Gymnasium zu einer Architektur führen, die im besten Sinne ganzheitlich ist.
 
 
Prof. Tobias Wulf & Partner
Dipl.-Ing. Freie Architekten BDA, Stuttgart
Tobias Wulf . Kai Bierich . Alexander Vohl